Alles, was Sie über das Agile Mindset wissen sollten

boy standing on ladder reaching for the clouds

Agile Menschen bilden agile Unternehmen – nicht umgekehrt.

Es braucht ein agiles Mindset als Grundlage für die Entwicklung einer agilen Organisation. Diese Erkenntnis dürfte mittlerweile in der Praxis unzweifelhaft anerkannt sein.  Dabei bleibt jedoch oft offen, was unter einem agilen Mindset zu verstehen ist. Wie handelt eine Person mit einem agilen Mindset? Im Folgenden gehen wir dem Begriff auf die Spur, erklären welche Werte einer agilen Haltung zu Grunde liegen, inwiefern ein agiles Mindset entwickelbar ist und welche Macht die Wörter „noch nicht“ in diesem Prozess haben.

Ein agiles Mindset als Grundlage für die Entwicklung einer agilen Organisation

In Sachen Definition ist es hilfreich, die zwei Wörter zunächst getrennt zu betrachten. Sprechen wir von „Mindset“  ist damit eine innere Haltung und Denkweise gemeint. Es ist die innere Einstellung, die eine Person zu einem Sachverhalt einnimmt. Die Unternehmenskultur ist dabei als Ergebnis der gelebten Mindsets in einem Unternehmen zu sehen.

„Agil“ meint laut Dudenvon großer Beweglichkeit zeugend; regsam und wendig“.  Damit basiert ein agiles Mindset auf der inneren Einstellung, dass Veränderung der „Normalzustand“ ist. Auf diesen wird flexibel und situativ reagiert. Veränderungen gegenüber wird positiv begegnet – immer beruhend auf der Annahme, dass diese zum Vorteil der Organisation sind.

Die Frage nach einem agilen Mindset ist eng mit der Unterscheidung eines „Growth“ oder „Fixed“ Mindsets verbunden. Hier lässt sich auf jahrzehntelange Forschungsergebnisse von Stanford-Professorin Carol Dweck zurückgreifen. Demnach folgen Personen mit einem „Growth Mindset“ einer wachstumsorientierten Denklogik. Sie streben nach Weiterentwicklung und Lernen. Im Gegensatz hierzu folgen Personen mit einem „Fixed Mindset“ einer statischen Denkhaltung. Sie streben danach „schlau“ nach außen zu wirken und zeigen deshalb ein anderes Verhalten:

Growth Mindset (agil) Fixed Mindset
    • Wachstumsorientierte Denkhaltung
    • „Ich kann jede Aufgabe lösen, so lange ich genug Zeit und Ressourcen habe.“
    • Wissensdurst, Neugier und Streben nach der Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten
    • Fehler und Feedback als wertvolle Quelle für Weiterentwicklung
  • Statische Denkhaltung
  • „Fähigkeiten sind angeboren. Wenn ich etwas nicht kann, kann ich es nicht.“
  • Vermeidung von Herausforderungen aus Angst zu scheitern
  • Lernen nur auf Basis extrinsischer Anreize (z.B. Gehalt, Position)
  • Fehler = Abwertung der eigenen Person

Fünf Werte eines Agilen Mindsets

Dem agilen Mindset als Grundlage für die Entwicklung einer agilen Organisation liegen damit bestimmte Werte zu Grunde. Diese können aus Carol Dweck’s Logik sowie weiteren Quellen wie dem Agilen Manifest oder Mc Gregor’s  Theorie des Menschenbild X und Y abgeleitet werden. Legt man diese Quellen übereinander lassen sich wiederkehrende Werte erkennen:

      • Offenheit für Veränderung: Besonders in der VUCA-Welt wandeln sich die Bedürfnisse der Kunden stetig. Das eigene Handeln und damit die Organisation hier immer wieder neu auszurichten und Veränderungen stets als Chance zu sehen ist damit eine Kernkomponente im agilen Denken.
      • Lernbereitschaft & Offenheit für Fehler: Im agilen Umfeld geht es stets darum zu lernen und sich anzupassen. Das Ausprobieren von Neuem birgt neben der Chance Bestehendes weiterzuentwickeln und zu verbessern auch das Risiko des Scheiterns. Fehler sollten in einem agilen Mindset nicht negativ konnotiert sein sondern stets als Chance des Lernens gesehen werden.
      • Streben nach Teamerfolg: Mit einer wachsenden Komplexität in der VUCA-Welt sind wir auf die Zusammenarbeit im Team und die Kompetenzen eines jeden angewiesen. Eine starke Vernetzung schafft Synergien und Schnelligkeit. Silodenken oder Machtverhalten werden zu entscheidenden Hindernissen.
      • Respekt & Vertrauen: Basis einer erfolgreichen Zusammenarbeit und des Teamerfolgs sind Respekt und Vertrauen. Dabei sollten diese Werte nicht nur im eigenen Team sondern unternehmensübergreifend und auch in Beziehung mit dem Kunden gelebt werden.
      • Fokus auf Mehrwert für den Kunden: Eines der Kernelemente der agilen Welt ist es einen Mehrwert für den Kunden zu liefern. Ein agiles Mindset basiert deshalb stets auf dem Erforschen von aktuellen Kundenbedürfnissen und dem Hinterfragen der bestehenden Produkte und Services.

Lässt sich ein agiles Mindset entwickeln?

Der Haltung des „Growth Mindset“ folgend sollte man diese Frage mit „Ja“ beantworten. Allerdings wird  diese Veränderung nicht von heute auf morgen passieren können. Denn: Die Veränderung von einem „Fixed Mindset“ zu einem „Growth“ oder „agilen Mindset“ erfordert  ein radikales Umdenken. Dies bedarf häufig der Verwerfung ganzer Lebenskonzepte. Denn die jeweilige Mindset Ausprägung beruht auf Erfahrungen und Glaubenssätzen, die oft schon von Kindheit an geprägt werden. Sätze wie

        • „Das Leben ist kein Ponyhof. Nur der Stärkste gewinnt.“
        • „Fehler sind schlecht und führen zu Bestrafung.“
        • „Planung ist das halbe Leben.“

sind dabei tief verankert und stehen einem agilen Mindset hemmend entgegen. Unter neurobiologischen Aspekten kann eine Veränderung der Denklogik somit nur in kleinen Schritten geschehen. Für diese Veränderung gibt es wie so oft keinen „Blueprint“. Es gilt nach der Logik des Lean Change Ansatzes wie immer auch hier: Ausprobieren, Lernen, Adaptieren.

Ein kleiner Tipp:
Bauen Sie das Wort „noch nicht“ in Ihren Alltag ein. Diese Praktik lässt eine wachstumsorientierte, positiv gerichtete Perspektive zu. Anstelle von „Ich kann das Problem nicht lösen.“ sagen Sie „Ich kann das Problem noch nicht lösen!“. Anstelle von „Ich sehe den Sinn der Veränderung nicht!“ sagen Sie „Ich sehe den Sinn noch nicht!“ Sie werden erstaunt sein wie allein die Nutzung dieser zwei Wörter Ihr „agiles Mindset“ als Grundlage für die Entwicklung einer agilen Organisation stärkt.

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